Schriftgrösse  A A A   |  Suche      
 

Vortrag am Dienstag den 16. März 2010 um 19 Uhr im Club-Lokal Parkhotel Leipziger Hof, 6020 Innsbruck.

"Jugendkriminalität in Innsbruck - Ursachen, Folgen für die Gesellschaft und Verhinderung".



>> Bitte Bild anklicken. Danke! <<

Der Stadtpolizeikommandant Mag. Dr. Franz BIRKFELLNER, Bgdr.

sprach zum Thema:

 "Jugendkriminalität in Innsbruck und deren Verhinderung"

Jugendkriminalität ist ein Kampffeld für Populisten und »Law and Order«-Politiker. Mit Kriminalität und innerer Sicherheit lassen sich Stimmen maximieren und lässt sich Handlungsstärke demonstrieren. Gefordert werden die Herabsetzung der Strafmündigkeit, strengere Strafen, Erziehungslager für Jugendliche, sofortige Ausweisung »krimineller« jugendlicher Ausländer. Während die Parteien sich in Presseaussendungen mit immer krasseren Vorschlägen zur Bekämpfung der Jugendkriminalität überbieten, sollte erwähnt werden, dass der Anteil der Wirtschaftskriminalität zwei Prozent der Gesamtkriminalität ausmacht, aber für 50 Prozent der Schadenssumme verantwortlich ist. Untermauert werden all die Hiobsbotschaften durch die vermeintlich objektiven Zahlen der Kriminalstatistik des Innenministeriums.
Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) des Kriminalitätsberichts des Innenministeriums ist die gebräuchlichste und auch die – von den Medien – als Maß der Sicherheitslage meist beachtete Kriminalstatistik. Politiker aller Parteien benutzen die Zahlen des Innenministeriums entweder als Beleg für die erfolgreiche Polizeiarbeit (Verbrechen gehen zurück, die Aufklärungsquote steigt) oder zur Alarmierung der Bevölkerung (explodierende Jugendkriminalität). Die Ergebnisse werden einer verschreckten und in Angst versetzten Öffentlichkeit als nicht hinterfragbare, objektive Fakten einer abgebildeten Wirklichkeit der Kriminalität präsentiert. Dabei beinhalten diese polizeilichen Statistiken nur die registrierten, angezeigten strafbaren Handlungen sowie die ermittelten Tatverdächtigen. Vor diesem Hintergrund ist die Polizeistatistik eine Anzeige- und Tätigkeitsstatistik von amtlich bekannt gewordenen Fällen und sagt mehr über das Anzeigeverhalten der Bevölkerung aus als über das Ausmaß tatsächlicher Kriminalität. Über 90 Prozent aller Vorfälle, die in einer Anzeige münden, werden durch Opfer bzw. Zeugen bekannt. Nur bei einigen Deliktgruppen, wie der Drogendelinquenz, gehen die Anzeigen auf eine aktive Kontroll- und Überwachungstätigkeit der Polizei zurück.

************************************************************************

Der Psychologe Bezirksinspektor Mag. Werner KUHN von der Polizeiinspektion Innsbruck-Pradl hielt den 2. Teil des Vortrages: "Ursachen und Folgen für die Gesellschaft".

Was treibt Jugendliche dazu, in die kriminelle Szene abzugleiten? Und wie kann vorbeugend verhindert werden, dass Gewalt bei Jugendlichen eskaliert?
Gesellschaftliche Ursachen: "Es ist nicht immer die Familie. Aber wenn von zu Hause die Unterstützung fehlt, dann gleiten die Jugendlichen leichter in die Kriminalität ab. Und natürlich macht auch die Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen viel aus, das Gefühl nicht gebraucht zu werden. Der Frust wird dann abgeladen."

Daneben führe Gruppenzwang, oftmals aber auch nur Langeweile dazu, dass Jugendliche in die Kriminalität abzuleiten drohen. Um dieses Problem zu lösen, müsse man die Jugendlichen ernst nehmen, um Vertrauen zu schaffen und ihnen Perspektiven bieten.
Unter dem Motto "bleib sauber" steht ein Projekt von Stadt Innsbruck und Polizei zur Vorbeugung gegen Jugendkriminalität. Mit innovativen Ansätzen konnte zu den Jugendlichen ein neuer Zugang gefunden werden.

"Vorbeugen ist besser als Strafen" dachte sich die Polizei gemeinsam mit der Stadt Innsbruck und hatte zusammen mit den Schulleitungen und der Jugendwohlfahrt schon vor zwei Jahren ein Netzwerk aufgebaut, dessen Ziel es war, Jugendliche vor der Kriminalität zu bewahren.

Dabei gab es Kontrollen in öffentlichen Verkehrsmitteln, Bars und Supermärkten. Nicht nur mit dem Ziel zu zeigen was man nicht soll, sondern was es auch bewirkt. Das Ziel sei, das Bewusstsein zu verstärken, dass man mit 14 Jahren auch rechtlich verantwortlich sei und die Konsequenzen zu tragen habe.
Außerdem gab es im Oktober Podiumsdiskussionen in Jugendzentren, sowie Workshops mit Klassenvertretern der Innsbrucker Hauptschulen. Stadtpolizeikommandant Dr. Franz Birkfellner sagte, es wäre vermessen, schon jetzt von Erfolgen zu sprechen, die Jugendlichen seien aber sehr aufgeschlossen gewesen.

Stadt und Polizei sind sich trotzdem sicher, dass es ein Projekt ist, von dem beide Seiten profitieren und lernen, vorurteilsfrei miteinander umzugehen.

 








« Zurück zu: Clubaktivitäten
 

Schriftgroße

a   A   AA